Histamin

Botenstoff mit Nebenwirkungen

Zahlreiche Menschen leiden vor allem nach den Mahlzeiten an unangenehmen Beschwerden. Die Ursache kann ein Überschuss an Histamin sein. BURGL’S Ernährungswissenschaftlerin Mag. Eva Wildauer hat sich den »Auslöser« einmal genauer angeschaut.

Der Naturstoff Histamin kommt im menschlichen sowie tierischen Organismus vor und ist auch im Pflanzenreich und in Bakterien weit verbreitet. Unser Körper benötigt Histamin. Es wirkt vor allem als Gewebshormon und Neurotransmitter (Botenstoff). Beim Menschen ist Histamin am Immunsystem beteiligt, spielt eine zentrale Rolle bei allergischen Reaktionen oder Verbrennungen. So fungiert Histamin als einer der wichtigsten Botenstoffe bei Entzündungsreaktionen, um zum Beispiel das Anschwellen des Gewebes zu bewirken.

Aufgebaut ist es ähnlich wie andere Botenstoffe z.B. Serotonin, Dopamin oder Adrenalin. Es wird aus der Aminosäure Histidin gebildet und in speziellen Körperzellen gespeichert, zum Beispiel in Nervenzellen und der Magenschleimhaut.

Durch das Auftreten allergischer Reaktionen wird Histamin aus den Zellen freigesetzt, aber auch Gewebshormone oder Arzneistoffe können eine unerwünschte Ausschüttung hervorrufen. Dies führt zu Jucken, Schmerz und gegebenenfalls einer Kontraktion der glatten Muskulatur. Obendrein verursacht Histamin die Freisetzung weiterer Entzündungsmediatoren sowie Adrenalin. Es erhöht die Durchlässigkeit der Blutgefäße und führt so zur Nesselsucht, einer Reaktion der Haut, welche mit leichten Erhebungen der Haut beginnt und mit großen Wassereinlagerungen in der Haut enden kann.

Größere Mengen als 10 mg Histamin führen zu einer Vergiftung, die durch akute Beschwerden wie Atemnot, Blutdruckabfall, Hautrötung, Nesselausschlag, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen und Durchfall gekennzeichnet ist. Die Verträglichkeitsgrenze ist bei Patienten mit Histamin-Intoleranz herabgesetzt.

Wenn Essen zur Qual wird

Histamin ist auch in fast allen Lebensmitteln in unterschiedlicher Konzentration enthalten. Rund 200.000 Österreicher leiden an einer sogenannten Histamin-Unverträglichkeit. Speziell wenn histaminreiche Nahrungsmittel zu sich genommen werden, kommt es zu allergie-ähnlichen Beschwerden.

Frische bzw. unverarbeitete Lebensmittel enthalten generell sehr wenig Histamin. Durch mikrobiologische Prozesse, wie Gärung, Reifung, Fermentation und durch längere Lagerung steigt der Gehalt jedoch stark an. Je länger ein Lebensmittel gelagert wird oder reift, desto höher ist sein Gehalt an Histamin. Vor allem alkoholische Getränke, wie Rotwein und Sekt, Hartkäse, Speck, Rohwürste, wie z.B. Salami aber auch Meeresfrüchte, Fischkonserven und Sauerkraut weisen erhöhte Werte an Histamin auf. Weiters gibt es Lebensmittel, die selbst zwar wenig Histamin enthalten, jedoch eine Histaminausschüttung aus den Zellen auslösen können. Dazu gehören Schokolade, Kakao, Champignons, Nüsse und bestimmte Obstsorten, z.B. Erdbeeren, Zitrusfrüchte, Ananas, Kiwis.

Also, kommt es nach dem Genuss histaminreicher Nahrungsmittel zu Symptomen wie Kopfschmerzen, Magen- und Darmbeschwerden, verstopfte oder rinnende Nase, Hitzegefühl, Herzrhythmusstörungen, niedriger Blutdruck, ständige Müdigkeit, Rötung der Haut, Juckreiz und Quaddelbildung an der Haut, kann eine Histaminunverträglichkeit (Histaminose) vorliegen.

Die Einnahme von Medikamenten (Antihistaminika) kann die Beschwerden oft lindern, ein eingeschränkter Konsum histaminreicher Speisen ist aber meist die bessere Wahl. Als hilfreich erweist sich oft auch ein Ernährungstagebuch.