Unkraut im Salat

Das kleine Silbchen »Un« kann viele Dinge ins negative Licht rücken.

Doch lassen sich viele von diesen 2 Buchstaben nicht mehr abschrecken und so landet immer häufiger das, was man noch vor kurzem mit Unkraut-Ex versucht hat zu bekämpfen, auf den Tellern von Hobby- und Profiköchen.

Dem so geschimpften Unkraut wird oftmals Unrecht getan. In den richtigen Mengen genossen sind diese Pflanzen sehr gesund, denn Wald- und Wiesenpflanzen haben meist einen wesentlich höheren Anteil an Mineralstoffen, Vitaminen und Eiweiß als gezüchtete Arten, von der geschmacklichen Vielfalt ganz zu schweigen. Außerdem sind sie überall zu finden und kosten zudem nichts. Sie werden überrascht sein, welche Fülle von Aromen die wilde Natur zu bieten hat.

Der Löwenzahn zählt wohl zu den meist verbreitetsten Wiesenblumen und ihn kennt fast jedes Kind. Die Blätter schmecken leicht bitter und aus ihnen kann man einen herrlichen Salat zubereiten. Gedünstet erhält man einen leckeren Spinat. Die gelben Blüten werden oft als Dekoration eingesetzt, doch es lässt sich aus ihnen auch Tee zubereiten. Den Blüten und Blättern des Löwenzahns werden blutreinigende und harntreibende Wirkungen nachgesagt. Sie aktivieren die Nieren, die Leber, die Galle sowie den Stoffwechsel und stärken die Abwehrkräfte.

Der Sauerampfer verrät schon in seinem Namen, dass er sauer schmeckt und lässt sich daher optimal als Würzkraut für Salate oder Suppen einsetzen. Man kann ihn aber nicht nur zur Geschmacksabrundung verwenden, sondern aus ihm auch eine Sauerampfersuppe kochen. Sauerampfer enthält allerdings besonders viel Oxalsäure, welche Magenempfindliche und Gichtkranke nicht gut vertragen.

Bärlauch wird schon lange in den österreichischen Küchen verwendet. Wegen seines scharfen Geschmacks nennt man ihn auch wilden Knoblauch. Man kann ihn wie Spinat verarbeiten, eine Suppe zubereiten oder auch als Fülle für z.B. Ravioli verwenden. Jedoch ist hier Vorsicht beim Sammeln in der Natur geboten, dass man ihn nicht mit dem giftigen Maiglöckchen verwechselt. Die Heilwirkung ist den zahlreichen in ihm enthaltenen, überwiegend schwefelartigen ätherischen Ölen zuzuschreiben, die sich positiv auf Verdauung, Atemwege, Leber, Galle, Darm und Magen auswirken. Dem Bärlauch wird außerdem eine blutreinigende und entzündungshemmende Wirkung nachgesagt.

Das Sammeln der Brennnessel kostet vielleicht ein bisschen Überwindung, aber die Blätter überraschen mit einem zartwürzigen Geschmack. Sobald die Brennnessel verarbeitet wird, wie etwa zu Saft, zu Suppen oder zu spinatähnlichen Gerichten, verflüchtigt sich die reizende Wirkung der Brennhaare. Auch ein Rohgenuss im Salat ist möglich – durch das Dressing werden die Brennhaare deaktiviert. Als Heilpflanze wird die Brennnessel seit Jahrhunderten gegen Harnwegsinfekte und Rheuma eingesetzt. Wissenschaftlich erwiesen ist, dass die Brennnessel Arthrose, Arthritis, Prostatabeschwerden und Blasenprobleme lindern sowie entzündliche Darmerkrankungen positiv beeinflussen kann.

Der Giersch (auch Geißfuß genannt) ist ebenfalls ein würziges Kraut. Typische Merkmale sind der dreieckige Stiel und die doppelt dreizählig gefiederten Blätter. Giersch passt hervorragend zu Salaten oder Kartoffelgerichten. Gekocht ergibt er ein schmackhaftes Püree. In kleinen Dosen ist er eine gute Alternative zur Petersilie. Dem Giersch wird eine heilende Kraft bei Rheuma und Gicht zugeschrieben, er wirkt sanft entwässernd und verdauungsanregend.

Unkraut

Dies sollte beim Sammeln von Wildpflanzen beachtet werden:

• Nur jene sammeln, die man wirklich kennt und eindeutig zuordnen kann

• Sie sollten keinen starken Umwelteinflüssen ausgesetzt sein, wie zum Beispiel an viel befahrenen Straßen

• Vormittags ist die beste Erntezeit

• Eine Pflanze sollte nie ausgerissen werden. Am besten schneidet man sie mit einem Messer ab

• Auf den Zustand der Pflanzen achten – wenn sie Bissstellen oder Flecken aufweisen, lieber stehen lassen

Text: Michaela Ortig, Ernährungswissenschaftlerin